THE ARTIST

Josefine Skotzek
Ich glaube, Fotografie hat viel weniger damit zu tun, wie wir aussehen, als damit, wie wir uns fühlen. Mich interessieren nicht die perfekten Posen, das schönste Lächeln oder ein Bild, auf dem alles „stimmt“. Mich interessiert der Moment dazwischen. Wenn du kurz vergisst, dass eine Kamera da ist. Wenn du aufhörst, dich von außen zu betrachten. Wenn etwas Echtes durchkommt.
Vielleicht fotografiere ich deshalb so gerne Menschen. Weil mich Menschen faszinieren. Ihre Geschichten, ihre Widersprüche, ihre Art zu lieben, sich zu schützen, sich zu zeigen und manchmal auch zu verstecken. Und weil ich selbst ziemlich gut darin war, mich anzupassen. Mich zu fragen, wie ich wirke, ob ich richtig bin, ob ich zu viel bin oder nicht genug.
Aber meine Aufmerksamkeit bleibt nicht bei Menschen stehen. Mich berühren auch Orte, Landschaften, gedeckte Tische, Essen, Licht, Bewegung und die kleinen Details, die oft übersehen werden. Die Spuren davon, dass irgendwo gelebt, geliebt, gekocht, getanzt, gewartet oder einfach nur gewesen wurde. Zur Natur fühle ich dabei eine ganz besondere Verbundenheit. Vielleicht, weil sie nichts darstellen muss. Sie ist einfach da – ständig in Bewegung, vergänglich, unperfekt und vollkommen lebendig.
Fotografie ist für mich heute eine Möglichkeit, genauer hinzusehen. Auf Menschen, Beziehungen, Orte, Natur und auf das Leben selbst.
Ich mag Bilder, die nicht nur schön sind, sondern etwas in mir auslösen. Bilder, bei denen ich das Gefühl habe, für einen kurzen Moment wirklich da gewesen zu sein. Deshalb geht es bei meiner Arbeit nicht darum, aus dir jemand anderen zu machen. Ich will sehen, was schon da ist.
Ich fotografiere nicht Perfektion. Ich fotografiere Präsenz.
Wenn ich keine Kamera in der Hand habe, findest du mich wahrscheinlich irgendwo zwischen Farbe und Leinwand, beim Tanzen, draußen in der Natur, auf Reisen oder an einem großen Tisch mit Menschen, die ich liebe. Ich mag tiefe Gespräche genauso wie völligen Quatsch. Ich brauche Freiheit, Schönheit, Bewegung und immer wieder Momente, die mich daran erinnern, dass das Leben nicht dafür da ist, perfekt gemacht, sondern wirklich erlebt zu werden.
Dieses Erleben prägt auch meine Arbeit. Mich weiterzuentwickeln, mich immer wieder neu kennenzulernen und Schicht für Schicht das abzulegen, was nicht wirklich zu mir gehört, ist ein Prozess, der sich ganz natürlich in meiner Kunst widerspiegelt.
Was in mir geschieht, findet früher oder später seinen Weg in meine Arbeit. So ist auch die Verbindung von Embodiment und Fotografie entstanden. Aus einer persönlichen Krise heraus begann ich, meinem Körper anders zuzuhören, tiefer zu fühlen und mir selbst auf eine neue Weise zu begegnen. Diese Erfahrung hat nicht nur mich verändert, sondern auch die Art, wie ich fotografiere und Menschen begegne.
Heute interessiert mich nicht nur das Bild, das am Ende entsteht. Mich interessiert, was passiert, wenn wir aufhören zu performen. Wenn wir fühlen statt funktionieren. Wenn etwas sichtbar werden darf, das vielleicht schon lange in uns lebt.
